Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung

Burkhard Riering, Jahrgang 1971, ist Chefredakteur der „Deutschen Handwerks Zeitung“ in Bad Wörishofen. Davor war er Ressortleiter  Wirtschaft der „Schwäbischen Zeitung“ in Leutkirch. Als Redakteur und Korrespondent arbeitete Riering zudem sieben Jahre für „Welt“ und „Welt am Sonntag“, erst in Berlin, dann in München. Er hat in Düsseldorf, Essen und Montpellier Kommunikationswissenschaft und Geschichte studiert. Er lebt mit seiner Familie am Ammersee in Oberbayern.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Riering, Sie sind seit Anfang 2011 Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung und haben zuvor als Leiter des Wirtschaftsressorts einer Tageszeitung gearbeitet. Worin unterscheidet sich die redaktionelle Tätigkeit einer Tageszeitung im Vergleich zur Deutschen Handwerks Zeitung?

Burkhard Riering: Eine 14-tägliche Zeitung wie die Deutsche Handwerks Zeitung will minutiös geplant sein. Dafür nehmen wir uns die Zeit. Nutzwert und Exklusivität sind uns wichtig. Wir kommen in der Zeitung komplett ohne Nachrichtenagenturen aus. Zeit nehmen wir uns auch für die Themenwahl: Wir setzen Schwerpunkte, von denen wir wissen, dass unsere Leser danach verlangen. In der Tageszeitung sind Sie in der Pflicht, auch immer wieder Tagesaktuelles reinzuschieben. Da macht dann letztlich die Mischung aus Aktualität und länger geplanten, tieferen Stücken den Reiz aus. Wenn Tageszeitungen da etwas „magaziniger“ werden, muss das kein falscher Ansatz sein.

F.G.: Was passiert in Ihrer Redaktion an einem gewöhnlichen Vormittag?

B.R.: Es beginnt mit dem Internet. Onliner sind Frühaufsteher. Hier beginnt das Leben vor sieben Uhr. Die anderen Redakteure stoßen später dazu. Um 9.30 Uhr konferieren wir täglich, besprechen Print-Themen für die nächste Ausgabe und die Multimedia-Zusätze für die 14-tägliche App sowie die Online-Inhalte der kommenden Tage. Die Redakteure sind gleichermaßen print- wie online-verantwortlich für ihre Themen, eine Unterscheidung wird nicht gemacht.

F.G.: Wie häufig bekommen Sie Presseinformationen, die für Ihre Arbeit irrelevant sind?

B.R.: Der Ausschuss ist schon sehr hoch. Es ist eine Binse, aber es bleibt so: Viele Presseinformationen vor allem von Herstellern sind schlicht zu werblich. Dagegen nehmen wir substanzielle Informationen per PM von Unternehmen, von Wirtschafts- und Branchenverbänden gern an, die Probleme behandeln, die unseren Lesern ganz aktuell unter den Nägeln brennen. Das funktioniert dann.

F.G.: Welche Bedeutung hat der Betreff eines Pressetextes per E-Mail?

B.R.: Klar ist er essenziell. Genauso wie wir Journalisten eine gute Schlagzeile machen müssen, um den Leser zum Lesen zu animieren, müssen die Betreffzeilen zum Aufmachen der Mail führen; sie müssen kurz und präzise und obendrein noch inhaltlich interessant sein. Sorry, wenn wir nicht immer die Zeit haben, die Pressemitteilung bis ganz unten zu lesen, wo dann der Knaller versteckt sein könnte.

F.G.: Was können Kommunikatoren von Unternehmen und PR-Agenturen besser machen, um Sie für ihre Inhalte zu begeistern?

B.R.: Meist geht es um die Aufbereitung eines Themas. Kommt die Mitteilung in Form eines ellenlangen Texts und vielen (zu langen) Zitaten des vermeintlich wichtigsten Menschen auf Erden, ist das einfach nicht lesergerecht. Mache ich das Problem dagegen anschaulich mit Charts, Checklisten etc., komme ich auf den Punkt, dann können wir damit arbeiten. Wenn es Service hat und Nutzwert. Das steht dann  eine halbe Stunde später groß auf  der Webseite.

F.G: Viele Journalisten meiden Online-Presseportale, da dort veröffentlichte Pressetexte häufig werblich gestaltet sind? Welche Alternativen dienen Ihnen als Quelle für Fachinformationen?

B.R.: Ich habe gar nichts gegen Online-Presseportale. Man muss schlicht alles sichten, was es an Quellen gibt, auch diese. Vor allem Fachmedien-Webseiten haben aber den entscheidenden Vorteil, den Presse-Sites nicht bieten: Sie selektieren. Diese grundjournalistische Bürgerpflicht der Selektion leisten Presseportale nicht.

F.G.: Wann sind Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen für Pressesprecher aus Unternehmen am besten zu erreichen?

B.R.: Wir sind den ganzen Tag über erreichbar, ab morgens. Das Büro ist ab acht Uhr besetzt, online noch früher. Dafür ist bei uns eher Schluss als bei Tageszeitungen, die einen späten Andruck haben.

F.G.: Wann genau finden Ihre Redaktionsrunden statt? Und wie laufen diese Meetings ab?

B.R.: Neben dem täglichen Morgen-Meeting um 9.30 Uhr gibt es alle 14 Tage eine große Redaktionskonferenz zur Besprechung der nächsten Print-/App-Ausgabe, zu der auch mal die Korrespondenten kommen.

F.G.: Nutzen Sie Twitter oder andere Plattformen für die schnelle Kommunikation von Inhalten?

B.R.: Wir nutzen zurzeit Facebook, Twitter und Youtube. Wir sind da nicht die Speerspitze der Bewegung, wollen aber dort präsent sein, wo  Meinungsbildung gemacht wird – und wir sehen es auch als guten Klickbringer für die eigene Webseite. Facebook macht mittlerweile bei den Referrer Sites einen Anteil von 20 Prozent aus.

F.G.: Wie wird sich das Medienverhalten Ihrer heutigen Leser in den nächsten Jahren verändern?

B.R.: Bislang sind unsere Leser sehr printtreu. Eine große interne Marktforschung im April 2013 hat ergeben, dass Handwerksunternehmer ihre Zeitung alle 14 Tage gedruckt auf dem Schreibtisch sehen wollen. Aber unsere enormen Steigerungen unserer Site www.deutsche-handwerks-zeitung.de zeigen, dass immer mehr im Internet nach Lösungen gesucht wird. Das Blatt gibt es obendrein auch als App in den Stores, um auch das anbieten zu können. Und wir beobachten, dass die mobilen Zugriffe auf die Seite stark zunehmen. Darauf müssen wir auch immer reagieren.

F.G.: Vielen Dank für das Gespräch.

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