Hans-Peter Junker, stv. Chefredakteur von Stern

Hans-Peter Junker ist Chefredakteur von VIEW und stv. Chefredakteur von Stern. Junker war nach seinem Studium an der Deutschen Journalistenschule in München Reporter, Redakteur und stellvertretender Reportage-Chef bei der Münchner Abendzeitung, dann Chefreporter bei der Bunten, Kultur- und Unterhaltung-Chef der Zeitschrift Tango und stellvertretender Kultur- und Unterhaltung-Chef beim Stern. Seit 2009 hat er regelmäßig zur Jahresrückblick-Ausgabe der ProSieben-Sendung Galileo Big Pictures die drei besten, von Zuschauern zugesandten Bilder des Jahres gekürt.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Junker, Sie sind Chefredakteur von VIEW und Nachrichtenchef von Stern, Sie beschäftigen sich mit Fotos und mit textlichen Inhalten. Ist das Bild stärker als der Text?

H.-P.J.: Ein Text kann stärker sein als ein Bild. Aber um das zu wissen, muss man ihn gelesen haben. Und leider wird es immer schwieriger diese Hürde zu überwinden. Bilder dagegen wirken direkter und damit schneller. Das verschafft ihnen in unserer immer visueller werdenden Gesellschaft große Vorteile.

F.G.: Sie kennen das: Ständig Pressetexte im Mail-Postfach. Wie beurteilen Sie die durchschnittliche Qualität der Texte?

H.-P.J.: Schwierig zu sagen. Ich lese aus Zeitdruck die wenigsten. Wenn ich nicht sofort verstehe, worum es geht und warum es für mich / uns interessant sein könnte, lösche ich die Mail.

F.G.: Was können Unternehmen bzgl. ihrer Pressearbeit verbessern, um die Chance einer Veröffentlichung zu erhöhen?

H.-P.J.: Kurze, präzise und – wo möglich – persönliche Ansprache. Denn: Auch hier ist es wie im übrigen Leben. Wenn man von einem Menschen angesprochen wird, den man kennt, ist man eher bereit zuzuhören – allein schon aus Höflichkeit.

F.G.: Wie hat sich Ihre Redaktionsarbeit in den letzten 5 Jahren verändert?

H.-P.J.: Trotz deutlicher Ausdehnung der Arbeitszeit beobachte ich eine ständig zunehmende Verdichtung der Prozesse. Und wir sind immer mehr gezwungen, bei jeder Entscheidung die Kosten zu betrachten.

F.G.: Wie viel Zeit verbringen Sie in Meetings und Redaktionsrunden?

H.-P.J.: Zuviel, leider viel zuviel. Schätzungsweise täglich zwischen 3 und manchmal auch 8 Stunden.

F.G: Wann sind Sie für Kommunikatoren aus Unternehmen am besten zu erreichen?

H.-P.J.: Ein Anruf kommt eigentlich immer ungelegen. Deshalb ziehe ich den Kontakt per Mail vor.

F.G.: Kann eine frühzeitige Medienkommunikation durch Pressereferenten von Unternehmen und Agenturen die Chance einer Verwertung von Inhalten erhöhen?

H.-P.J.: Ja, natürlich. Wenn man etwas zu sagen hat, das auch für den anderen von Interesse ist. Netzwerken ist wichtig. Für beide Seiten.

F.G.: Welche Bedeutung spielen Unternehmenswebsites für Ihre Arbeit?

H.-P.J.: Keine.

F.G.: Wie werden Sie in 5 Jahren arbeiten? Inwiefern wird sich Ihre Arbeitsweise ändern?

H.-P.J.: Wahrscheinlich noch digitaler. Und es wird entscheidend sein, ob es uns gelingt, den Leser / User in unsere Kommunikation einzubinden und damit die Bindung an unsere Medien wieder zu stärken.

F.G.: Vielen Dank.

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