Lutz Kuckuck, Geschäftsführer der Radiozentrale

Lutz Kuckuck wurde am 03.10.1951 in Peine geboren. Seine berufliche Laufbahn begann nach dem erfolgreich absolvierten Jura-Studium als Volontär bei der Verlagsgruppe Madsack in Hannover. Nach Stationen als Assistent der Geschäftsführung und der Stabsstelle „Neue Medien“ kam er zu radio ffn. Dort leitete er die Bereiche Marketing, Verkauf und Administration. Im Anschluss baute er die Funkkombi Nord auf und 1990 die RMS Radio Marketing Service in Hamburg. Hier war er bis 2003 als Geschäftsführer tätig, bevor er in die Geschäftsführung der Verlagsgruppe Madsack wechselte. Ab dem 1.6.2005 hieß es für ihn erneut, Aufbauarbeit zu leisten: als Geschäftsführer der RADIOZENTRALE in Berlin.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Kuckuck, mit welchen Argumenten haben Sie vor 20 Jahren Mediaplaner für Spots auf privaten Radiosendern begeistern können?

Lutz Kuckuck: Vor 20 Jahren sind gerade die ersten privaten Sender in Ostdeutschland auf Sendung gegangen. Ich habe als damaliger RMS-Geschäftsführer ein gesamtdeutsches Kombiangebot mit der RMS SUPER KOMBI geschaffen, welches auch heute noch zu den leistungsstärksten nationalen Radiowerbeangeboten im Markt gehört. Die Schlagworte damals waren: alles aus einer Hand, ein Auftrag, eine Buchung, ein Ansprechpartner. Das war neu, das war der USP, um den Arbeitsaufwand bei den Agenturen zu vermindern. Und das Thema Ansprache junger Zielgruppen war auch ein zentrales.

F.G.: Welche Argumente werden zukünftig von Ihnen genutzt, um Mediaplaner für das Medium Radio zu gewinnen?

L.K.: Gerade die neuen Kommunikationswege bieten den Werbungtreibenden eine hervorragende Chance, Jugendliche zielgenau anzusprechen. Aber Radio ist vor allem auch das letzte Massenmedium in der Region, über das die Jugendlichen (und natürlich auch andere Zielgruppen) ansprechbar sind. Ein weiteres Hauptargument für Radio ist zudem die Nähe zum Hörer. Kein anderes Medium ist so nah dran. Morgens beim Aufstehen, im Auto, im Büro, bei der Hausarbeit, in der U-Bahn. Radio ist dabei, es begleitet durch den Tag, berät, informiert, warnt, hilft, unterhält und überrascht. Und Radio macht in dieser Funktion – vor allem dank seiner Musik und der Verankerung in der Region – den Hörer einfach ein Stück weit glücklicher.

F.G.: Aktuelle Studien belegen, dass die Radionutzung der jungen Hörer zwischen 12- und 19-Jahren steigt. Wie schafft es Radio, insbesondere diese junge Zielgruppe zu erreichen?

L.K.: Das Multichannel-Medium Radio kommt über alle analogen und digitalen Wege zum Hörer und reichert sein Programm kanaladäquat mit Zusatzdiensten und Responsemöglichkeiten an. Radio geht also dorthin, wo seine jungen Hörer sind, auf das Smartphone, ist abrufbar auf dem PC, präsent auf Facebook und Twitter, bis hin zu SmartTV und sogar via App auf Google Glass.

F.G.: Was müssen deutsche Sender machen, damit die Jungen zukünftig nicht ausschließlich internationale Sender auf ihren Smartphones hören? Welche Bedeutung spielt in diesem Zusammenhang der Community-Gedanke, also die Verknüpfung von redaktionellen Audio- und Online-Inhalten?

L.K.: Die Programm-Macher haben erfolgreich an der ‚Trusted Guide‘-Schraube gedreht. Kein Medium ist so nah dran am Alltag der Jugendlichen und den Themen seiner Nutzer wie Radio. Die Glaubwürdigkeit der Persönlichkeiten am Mikrofon, ihre Verankerung im Lebensumfeld der Jugendlichen und ein für sie relevantes Storytelling und die Verlängerung der Themen im Social Web stehen bei den Programm-Strategen ganz oben auf der Tagesordnung – und bei den Hörern hoch im Kurs. Das kann kein internationaler Sender. Wo steigt heute die angesagteste Party der Stadt, brauche ich einen Regenschirm auf dem Weg zur U-Bahn? Das und vieles Relevante mehr weiß „mein Radiosender“. Gepaart mit überraschender Musikabfolge gibt Radio gerade bei den Jungen zunehmend den Takt über den Tag an.

F.G.: Welche Rolle spielen Apps und Online-Angebote für die klassischen AC-Sender?

L.K.: Wie schon gesagt: Radio ist da, wo seine Hörer sind. Und da Radio nun einmal das mobilste Medium ist, sind wir auf den mobilen Geräten via Apps genauso zu finden wie im Autoradio und als Online-Angebot via Stream, Website und Community.

F.G: Was wird die Entwicklung von Radio in Zukunft am stärksten beeinflussen: die Strategien der Vermarkter, die redaktionelle Qualität oder die technischen Veränderungen?

L.K.: Die technischen Veränderungen sind bzw. waren eine große Herausforderung für die Sender, die sie, die positiven Reichweitenergebnisse belegen es, hervorragend gemeistert und für sich genutzt haben. Aus diesen sich daraus ergebenden Möglichkeiten konnte auch die redaktionelle Qualität den Bedürfnissen der Zielgruppe noch besser angepasst werden. Mehr Informationen über die Websites, Verlinkungen, Foren, Blogs sind dabei die Stichworte.

F.G.: Radio funktioniert in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Was können deutsche Sender vom europäischen Ausland lernen, um dauerhaft Hörer an das eigene Angebot zu binden?

L.K.: Unsere Programmverantwortlichen schauen ständig über ihren Tellerrand hinaus, um neue Ideen und Strömungen aus In- und Ausland aufzuspüren. Im März wird sich die europäische Radioszene in Dublin treffen, um auf den Radiodays Europe 2014 diesen Austausch unter Kollegen zu pflegen und sich auszutauschen. Als Hauptpartner für Deutschland hat die Radiozentrale im letzten Jahr die führende europäische Konferenz nach Berlin geholt – Hauptthemen waren und sind weiterhin z.B. Storytelling, Hörernähe, Talentscouting, kanalspezifische Contents als auch neue (digitale) Formate.

F.G.: Vielen Dank für das Gespräch.

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