Dr. Frank-B. Werner, Herausgeber von Börse Online, €uro am Sonntag,…

Frank-Bernhard Werner, Jahrgang 1961, drei Söhne, arbeitete nach dem Studium zunächst als Assistent am Volkswirtschaftlichen Seminar der Universität Göttingen. Nach der Promotion trat er 1987 in den Markt & Technik Verlag, Haar bei München, ein, wo er an der Gründung der Wochenzeitschrift „Börse Online“ beteiligt war. 1988 und 1989 Chefredakteur. 1990 Gründung des Finanzen Verlags in München. 1996 Verkauf an die Axel Springer AG und bis 2010 dort Geschäftsführer der Axel Springer Financial Media und Chefredakteur €uro am Sonntag. 2010 sozusagen Rückkauf Finanzen Verlag mit den Titeln €uro und €uro am Sonntag. 2012 Erwerb Art Investor, 2013 Erwerb BÖRSE ONLINE vom Verlag Gruner & Jahr.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Werner, als Herausgeber und ehemaliger Chefredakteur von Euro am Sonntag und weiteren Finanztiteln haben Sie in Ihrer Karriere viele Pressemitteilungen aus der Finanzbranche erhalten. Wie beurteilen Sie die qualitative Arbeit von PR-Agenturen und Presseabteilungen von Finanzunternehmen?

Frank-B. Werner: Die Qualität ist durchgehend ordentlich, allerdings wird oft der Fehler gemacht, die Kommunikation nicht auf den Adressaten zuzuschneiden. Insofern sind viele Kontakte verloren. Für Boulevard ist vieles zu speziell, für spezialisierte Medien sind die zur Verfügung gestellten Informationen zu oberflächlich oder irrelevant.

F.G.: Was können Unternehmen besser machen, um Gehör in Ihren Redaktionen zu finden?

F.-B.W.: Weniger ist manchmal mehr.

F.G.: Inwieweit arbeiten die Redaktionen Ihrer unterschiedlichen Medientitel zusammen? In welcher Form werden Print-Inhalte online verwertet?

F.-B.W.: Die jeweiligen Chefredakteure und ihre Blattmacherteams tauschen sich mit den Ressortleitern der Zentralredaktion, aus der sich alle bedienen, jeden Tag in einer Morgenkonferenz aus. Dort werden auch die Planungen für die einzelnen Titel abgestimmt und Konflikte um Themen und Ressourcen geklärt. Die Inhalte von Euro und Euro am Sonntag verwerten wir zum Teil auf finanzen.net, Inhalte von Börse Online bereichern boerse-online.de.

F.G.: Als Herausgeber sind Sie das Gesicht Ihrer Verlagsprodukte. Inwiefern hat sich das Netzwerken im Vergleich zu Ihrer vorherigen Tätigkeit als Chefredakteur verändert?

F.-B.W.: Ich bin nur ein mäßig begabter Netzwerker und kann keine Veränderung feststellen.

F.G.: Was ist für Sie persönlich das wichtigste Kommunikationsinstrument: Das Telefon, die E-Mail oder Onlineplattformen wie LinkedIn?

F.-B.W.: Am wichtigsten ist mir das persönliche Gespräch. Am häufigsten nutze ich Telefon und E-Mail.

F.G: Welche Herausforderungen muss die Gattung Print zukünftig meistern? Mit welchen Maßnahmen widersetzen Sie sich dem allgemeinen Trend rückläufiger Auflagenzahlen?

F.-B.W.: Gedruckte Medien lassen sich schneller als elektronische konsumieren und liefern über eine ordentlich gemachte sekundäre Informationsebene einen viel besseren Überblick als elektronische. Zudem ist die Navigation einfacher. Deshalb wird es parallel immer gedruckte neben elektronischen Medien geben. In einer mit Nachrichten völlig verstopften Welt bieten wir eine unvergleichliche Dienstleistung: Wir filtern das wichtige heraus und sagen, was man davon zu halten hat – in einem abgeschlossenen Format, das man nach der letzten Seite zuklappen kann, um sich wieder den angenehmen Dingen des Lebens zuzuwenden. Kurz: Wir verkaufen Zeitersparnis und Dispositionshinweis. Wenn wir das gescheit hinbekommen, haben Printmedien eine großartige Zukunft.

Dazu tritt ein Vorteil, der heute noch gar nicht richtig wahrgenommen wird. Nur Print ermöglicht den anonymen Konsum von Informationen. Niemand trackt, welche Artikel ich vollständig, teilweise oder gar nicht lese, welche ich mir zur Wiedervorlage ausschneide, welcher Werbung ich folge und welcher nicht, welche Artikel ich weiterempfehle, welche Aktien, Anleihen oder Fonds mich im speziellen interessieren. Das wird mit zunehmender Berichterstattung über das kommerzielle und staatliche Ausforschen unserer Internetgewohnheiten (sowie der Werbe-Belästigung durch das Targeting) von immer mehr Menschen als Argument für den Kauf von gedruckten Informations- und Unterhaltungsmedien wahrgenommen werden.

F.G.: Werden ausführliche Inhalte und Hintergrundbericht in Print bald der Vergangenheit angehören?

F.-B.W.: Das Auswählen, Sortieren und Einordnen – und natürlich der Weiterdreher – sind die Stärke von Print. Nein, Ausführlichkeit und Hintergrund erleben gerade ihre Renaissance.

F.G.: Weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Gespräch.

Weitere hilfreiche Informationen für professionelle Medienkommunikation finden Sie in den aktuellen Medienstudien von Mount Barley Publishing.

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