Jochen Vorländer, Chefredakteur von TGA Fachplaner

Jochen Vorländer, Jahrgang 1967, studierte nach einer Lehre zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer Technische Gebäudeausrüstung (TGA). 2001 beteiligt er sich an der Neugründung eines TGA-Ingenieurbüros, das 2002 die Redaktionsarbeit für die neu platzierte Fachzeitschrift TGA Fachplaner für den Gentner Verlag, Stuttgart, übernahm. Die Idee „von Planern für Planer“ trägt bis heute mit Jochen Vorländer als Chefredakteur und seinem Partner Michael Voigt als Stellv. Chefredakteur.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Vorländer, Ihr Medientitel war bereits „Fachmedium des Jahres“ in der Kategorie Architektur und Bau. Wie schaffen Sie es, Ihren Lesern Inhalte zu liefern, die für deren tägliche Arbeit relevant sind?

Jochen Vorländer: Die Arbeit unserer Zielgruppe TGA-Fachplaner – also Fachingenieure für die Konzeption und Planung der gesamten Haustechnik – unterliegt einem beständigen Wandel: durch die Energiewende, die Politik, neue Normen und Richtlinien. Unser branchenweit einmaliges Regelwerk-Update listet beispielsweise jeden Monat zwischen 10 und 30 neue Dokumente, die den Arbeitsalltag unserer Leser direkt betreffen.

Durch mehrere Trends rücken TGA-Fachplaner künftig noch stärker in den Mittelpunkt des Bau- und Sanierungsgeschehens. Die Themen existieren also, die Herausforderung ist, sie vorzudenken, auf unsere Leser zu projizieren und sie rechtzeitig auf Entwicklungen vorzubereiten. Durch unser Konzept „von Planern für Planer“ haben wir beide Ohren im Markt, wenngleich ich mich inzwischen fast ausschließlich redaktionell betätige.

F.G.: Welche Bedeutung hat die Kommunikation mit Presseabteilungen und Unternehmen im Rahmen Ihrer Arbeit?

J.V.: Informationen aus Presseab- und -mitteilungen gehören ganz klar dazu, gerade die naturgemäß kanalisierte Sichtweise liefert den Ausgangspunkt für eine Gesamtsicht. Es gibt vergleichsweise selten Texte, die konsequent den Blickwinkel der eigentlichen Adressaten haben. Oft wird hauptsächlich die Sichtweise des Unternehmens bzw. der Organisation transportiert – aber erwartet, dass der Text trotzdem wirkt. Das dadurch zunächst brach liegende Potenzial versuchen wir durch unsere redaktionelle Arbeit zu erschließen.

F.G.: Haben Sie schon einmal relevante Informationen in Massenmailings von PR-Agenturen gefunden oder sind es ausschließlich individuelle bzw. exklusive Inhalte von Unternehmen, die redaktionell verwertet werden können?

J.V.: Ja, wir finden in Massenmailings nicht nur relevante Informationen, sondern auch gut aufbereitete Themen – und wundern uns, warum man sie auf diese Art entwertet. Nicht selten gehen solche Aussendungen im gesamten Umfeld nahezu komplett unter. Erfolgreicher ist es aus meiner Sicht, gut aufbereitete Inhalte dem jeweiligen Leitmedium branchenexklusiv in einer Langversion anzubieten und mit Abstand eine Kurzversion breiter zu streuen. Wenn uns das Thema trotzdem reizt, stellen wir die für uns wichtige Exklusivität durch Anreicherung her.

F.G.: Wie eng ist die redaktionelle Zusammenarbeit innerhalb Ihrer Verlagsgruppe?

J.V.: Haustechnik ist der Schwerpunkt im Verlag, viele Themen sind für mehrere Titel relevant. Wir diskutieren sie intern, dabei entdecke ich stets neue Aspekte. Aber für die konkrete Veröffentlichung ist uns der Blickwinkel der jeweiligen Zielgruppen sehr wichtig, sodass eine 1:1-Mehrfachverwendung selten möglich ist. Beispielsweise haben TGA-Planer, Heizungsbauer und Energieberater einen sehr spezifischen Informationsbedarf zu Wärmepumpen oder der Hausautomation.

F.G.: Mit wie vielen externen Ansprechpartnern arbeiten Sie durchschnittlich zusammen, bevor eine Ausgabe in den Druck gehen kann?

J.V.: Eine TGAprint-Ausgabe beinhaltet etwa 25 bis 30 Strecken mit rund 140 Artikeln. Für durchschnittlich zehn längere Fachartikel arbeiten wir jeweils nur mit einem externen Ansprechpartner zusammen. Für die durchschnittlich etwa vier selbst geschriebenen Fachartikel recherchieren wir bei mehreren Branchenakteuren, bei Marktübersichten und einigen anderen Themen auch bei Lesern. Für die restlichen 125 Artikel – vier bis sechs Kurzmeldungen auf einer Druckseite – sind wir aus zeitlichen Gründen darauf angewiesen, diese ohne Rücksprache aufbereiten zu können, oft müssen wir aber online nachrecherchieren. Redaktioneller Luxus sind Interviews: Ein Ansprechpartner, aber ein großer Zeitaufwand bis es fertig ist.

F.G.: Wie sinnvoll ist es, wenn Unternehmen Ihre geplanten Redaktionsthemen kennen und diese in ihrer Medienkommunikation berücksichtigen?

J.V.: Das ist für beide Seiten sehr sinnvoll und hilfreich. Wichtig ist ein ausreichender Vorlauf.

F.G.: Zielgerichtete und frühzeitige Kommunikation mit Journalisten wird für Presseabteilungen also immer wichtiger. Am 04.07.2014 werden Sie laut Ihrem redaktionellen Themenplan über Industrie- und Gewerbelüftung schreiben. Gibt es bereits zum jetzigen Zeitpunkt Presseabteilungen oder Agenturen, die Sie zu diesem Thema mit Informationen versorgt haben?

J.V.: Ja, es liegen schon Anfragen und auch schon Materialien vor. Es wird aber auch welche geben, die einen Tag vor Druck mit einem Angebot kommen.

F.G.: Welchen weiteren Tipp können Sie Kommunikatoren aus Unternehmen geben, um die Zusammenarbeit mit Ihnen zu optimieren?

J.V.: Obwohl E-Mail seit Jahren das mit Abstand häufigste Kommunikationsmittel ist, existiert hier der größte Verbesserungsbedarf. Das fängt bei einem aussagekräftigen E-Mail-Betreff an. Über „Neue Pressemitteilung“ oder „Pressemitteilung von xxx“ kann ich nur den Kopf schütteln, Freude bereitet ein Betreff, der prägnanter als die Headline der Pressmitteilung ist. Wichtig ist auch, dass E-Mails mobil ohne Hürden lesbar sind. Offene Massenverteiler, gepackte Dateianhänge, Bitmap-Signaturen usw. fallen dabei durch. Gegen Anhänge spricht nichts, aber der Text zusätzlich in der E-Mail ist von großem Vorteil. Ärgerlich sind Pressemitteilungen, in denen man keine vernünftigen Informationen zur Kontaktaufnahme für Leser und keine Adresse für die Zusendung von Belegen findet. Ansonsten empfehle ich, öfter mal wieder zu telefonieren: da lässt sich vieles schneller und mit viel weniger Missverständnissen verabreden.

F.G.: Vielen Dank für Ihre Antworten.

Weitere hilfreiche Informationen für professionelle Medienkommunikation finden Sie in den aktuellen Medienstudien von Mount Barley Publishing.

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