Peter Zock, Redaktionsleiter von Leute heute

Peter Zock wurde am 31.12.1961 geboren. Seine berufliche Laufbahn begann nach einem Studium an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (M.A.) als stoffführender Redakteur für die ZDF-Hitparade mit Uwe Hübner. Nach der Entwicklung neuer Fernsehformate und weiterer redaktioneller Tätigkeiten (u.a. für die Versteckte Kamera mit Thomas Orner) wurde er im Januar 1999 Redaktionsleiter von Leute heute. Von 2006 bis 2010 war er parallel für die Vortragsreihe „Journalismus als Beruf“ an der Ludwig Maximilians Universität in München aktiv.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Zock, nicht an jedem Tag findet eine Königshochzeit statt. Welche Themen werden Ihnen und Ihrer Redaktion am häufigsten von PR-Agenturen angeboten?

Peter Zock: Von PR-Agenturen erhält unsere Redaktion Leute heute in erster Linie Themenangebote zu unterschiedlichen Firmenveranstaltungen und B2C-Marketingaktionen. Also Produktpräsentationen, nationale und internationale Geschäftseröffnungen, Markenrelaunches u.ä. Meist sind dazu auch prominente Testimonials anwesend, die den Termin redaktionell interessanter machen sollen. Quantitativ sind das ca. 200 Mailangebote pro Tag. Bei mehr als 99 % dieser Angebote kommt es jedoch zu keiner Berichterstattung in unserer Sendung, da unsere Formatvorgaben entweder nicht gekannt oder nicht berücksichtigt wurden. Fast immer handelt es sich also um Spam mit der Email-Gießkanne. Schade um die viele Arbeit.

F.G.: In welcher Form werden Ihnen Inhalte von Agenturen und Presseabteilungen von Unternehmen zur Verfügung gestellt? Wie gut ist die Qualität des Materials?

P.Z.: Viele Firmen und deren PR-Agenturen haben in Zeiten von Web 2.0 keine aktuellen Erfahrungen mit dem schnell getakteten redaktionellen Alltag einer täglichen Magazinsendung wie Leute heute. Leider wird noch immer zu viel, zu lang, zu episch geschrieben. Ehrlich – meine Kollegen und ich können im rasanten Tagesgeschäft keine 1000 Zeichen Mail mit vier Anhängen lesen. Dann entscheide ich oft sehr schnell und allein nach dem Inhalt der Betreffzeile.

F.G.: Über was für Themen berichten Sie persönlich am liebsten?

P.Z.: Eine professionell arbeitende Redaktion wie Leute heute hat in meinen Augen keine inhaltlichen Vorlieben. Es ist vielmehr unsere ernsthafte redaktionelle Aufgabe, die People-Themen des Tages authentisch, wahrhaftig, emotional und gelegentlich auch mit einem Augenzwinkern zu präsentieren. Dazu ist es wichtig zu wissen, welche Lebenswirklichkeiten unsere Zuschauer haben und was sie inhaltlich von einem Prominentenmagazin erwarten. Wir widmen uns jeden Tag und in jeder Sendung äußerst ernsthaft dem – zugegeben – oft Belanglosen. Damit sind wir erfolgreich, und das wiederum macht uns tatsächlich große Freude.

F.G.: Welche weiteren Ratschläge geben Sie PR-Agenturen, um bei Ihnen Gehör zu finden?

P.Z.: Studieren Sie vorher das Format und seine inhaltlichen Eckpunkte. Suchen Sie den persönlichen Kontakt zu den Entscheidern in der Redaktion. Schreiben sie kurze und individuelle Mails. Visualisieren Sie Themen und redaktionelle Ansätze anschaulich. Bieten sie nur an, was wirkliche Formatrelevanz hat. Nutzen Sie keinen Uraltverteiler. Sehen Sie uns beide auf Augenhöhe als Kommunikationsprofis. Und lassen Sie bitte nicht den Praktikanten nachhaken, Kontakte sind Chefsache!

F.G.: Nach Nina Ruge moderiert heute Karen Webb eines der erfolgreichsten Promimagazine, leute heute. Inwieweit ist die Moderatorin in die redaktionelle Arbeit eingebunden?

P.Z.: Leute heute ist das erfolgreichste Peoplemagazin in Deutschland. Wir sind seit 2004 Marktführer vor allen Wettbewerberformaten. Täglich schauen fast 3 Millionen Menschen unsere Sendung. An diesem großartigen anhaltenden Erfolg haben alle Mitarbeiter ihren Anteil. Auch Karen Webb. Als Moderatorin und Mitarbeiterin im Redaktionsteam gestaltet sie mit und arbeitet hinter der Kamera genau so professionell und sympathisch wie davor.

F.G: Welche Rolle spielen Twitter und andere Online-Plattformen für Ihre redaktionelle Arbeit?

P.Z.: Soziale Netzwerke und digitale Plattformen sind schon lange kein add-on mehr, sondern stellen wichtige Kanäle dar, um unseren Content fragmentiert oder als ganze Sendung den Nutzern an jedem möglichen Ort und jedem möglichen Endgerät zu jeder Zeit anzubieten. Leute heute on Demand via ZDF-Mediathek oder Youtube – und sie können sich unsere Sendung auf dem Tablet ansehen, wo und wann sie wollen. Auf Facebook können Sie dazu auch mit unserer Redaktion und der Moderatorin über die Themen des Tages diskutieren, und über Twitter erfahren Sie von #leuteheute heute auch noch alle wichtigen Peopleinfos sofort. Das alles passiert nicht von allein, Inhalte müssen lizensiert werden, alles kostet Geld und Manpower, immer mehr redaktioneller Output fließt ins Internet. Aber wie sehr das Internet die Nutzungsgewohnheiten und das Content-Angebot in Zukunft verändern wird,  kann man schon jetzt als interessierter Mensch erahnen. Es kommt Großes auf uns zu!

F.G.: Nina Ruge sagte schon damals „Alles wird gut“. Ist alles gut? Welchen Herausforderungen muss sich eine werktägliche Sendung wie leute heute stellen?

P.Z.: Es ist tatsächlich alles gut, weil es sich gut und prima anfühlt. Aber damit ist natürlich nicht alles am Ende oder gar fertig. Der laufende Wandel von einer linearen zu einer digitalen Medienwelt stellt große Herausforderungen an die Unternehmen, die Mitarbeiter und auch die Rezipienten. Das gelernte Verhalten „Fernsehen von der Couch aus“ wird mit den jetzigen Zuschauern mehrheitlich in Rente gehen. Was und wie wir in 10-15 Jahren fernsehen, weiß ich auch nicht konkret. Wir reiten alle – sinnbildlich – mit dem Treck nach Westen in eine Neue Welt. Wir von Leute heute versuchen dabei zu sein. Das ist schon recht spannend.

F.G.: Vielen Dank.

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