Uwe Pagel, Geschäftsführer der PressFile Europe GmbH

Nach dem Studium der Politologie und Soziologie lernte Uwe Pagel sein Handwerk als Redakteur Ende der 80-er Jahre beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (heute SWR). 1993 wechselte er als Leiter der Unternehmenskommunikation zum Software-Hersteller Wilken. 2001 folgte die Gründung der PR-Agentur Press’n’Relations, die heute als Agenturgruppe aufgestellt  ist und mehr als 20 Mitarbeiter an den Standorten Ulm, Berlin, München, Haltern am See, Wien und Zürich beschäftigt.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Pagel, Sie haben Ihre Karriere im TV- und Radio-Journalismus gestartet und später Ihre eigene PR-Agentur Press’n’Relations gegründet. War das eine gute Entscheidung oder wären Sie heute lieber wieder Journalist?

Uwe Pagel: Als Journalist im Rundfunk ist man täglich mit neuen Themen beschäftigt und kann sich selten tiefer einarbeiten. Später auf Unternehmensseite war das genau umgekehrt: Da gab es einige wenige Inhalte, die man mit der Zeit sehr genau kannte. Insofern ist die Agentur die beste Mischung aus beidem. Eine deutlich breitere Themenpalette als in der Kommunikation für nur ein Unternehmen, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, sich intensiv mit ganz verschiedenen Inhalten auseinanderzusetzen. Dazu kommt die strategische Beratung der Kunden, die natürlich auch davon profitieren, dass wir beide Seiten kennen und die Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Branchen mitbringen und auf andere übertragen können. Zudem macht es mir einfach Spaß, als Unternehmer zu denken und zu handeln, ohne dass mir jemand vorschreibt, was ich zu tun habe.

F.G.: Seit 2009 kümmern Sie sich in Deutschland um die Vermarktung der PR-Software PressFile, die 1998 als Software für den amerikanischen Markt entwickelt wurde. Ist PressFile in Deutschland für einen bestimmten Nutzerkreis konzipiert oder ist die Software branchenunabhängig einsetzbar?

U.P.: PressFile ist gewissermaßen das CRM für den PR-Profi; man könnte auch sagen ein Werkzeug für das „Media Relationship Management“. Denn damit können Sie immer transparent und übersichtlich nachvollziehen, was Sie wann an welchen Kontakt kommuniziert haben, egal ob Journalist, Blogger oder sonstiger Adressat. Dazu kommt das Arbeiten mit (Presse-)Verteilern, der gezielte und personalisierte Versand von Presseinformationen und anderen Inhalten via E-Mail sowie die Dokumentation der Erfolge, also der Clippings. Dazu kommen Partnerprodukte wie die Integration der Online-Mediathek AMID PR oder eines Tools für die Krisenkommunikation. Ziel ist es immer, die wichtigen Kernprozesse der Presse- und Medienarbeit so einfach und effizient wie möglich abzudecken.

F.G.: Mit welchen Argumenten überzeugen Sie interessierte PR-Agenturen und Presseabteilungen von Unternehmen für die Nutzung von PressFile? Welche Vorteile bietet Ihre PR-Software im Vergleich zu anderen Datenbanklösungen?

U.P.: Es ist die einfachste Lösung auf dem Markt. Denn alles funktioniert über nur ein einziges Fenster im Webbrowser, Sie können sich niemals verirren. Unsere Praktikanten bekommen gerade mal eine Stunde Schulung, dann müssen sie mit der Anwendung arbeiten. Kundenschulungen dauern natürlich etwas länger, aber auch bei größeren Teams nie mehr als einen halben Tag. Indem PressFile die Kernprozesse deutlich vereinfacht und beschleunigt, rechnet sich das System oft schon nach wenigen Monaten. Darüber hinaus ist es eine Cloud-Lösung: Sie können immer und überall darauf zugreifen, auch im Home Office oder im ICE. Zudem wurde PressFile immer in enger Abstimmung mit PR-Profis entwickelt. Das war ursprünglich das PR Department der New York Public Library, die auch heute noch PressFile einsetzt. Und das ist heute meine Agentur Press’n’Relations, die zudem alle neuen Features ausgiebig testen muss, bevor sie auch für andere freigeschaltet werden.

F.G.: Inwieweit hat sich der Markt der PR- und Mediendatenbanken in den letzten 5 Jahren verändert??

U.P.: Die webbasierten Lösungen sind klar im Kommen und es sind neue Wettbewerber dazugekommen. Doch nach wie vor ist die Entwicklung vieler Anwendungen von Programmierern gesteuert, die wenig von der Tagesarbeit in der Agentur oder Pressestelle wissen. Das macht die Bedienung oftmals umständlich und wenig anwendergerecht. Auch wenn man fairerweise sagen muss, dass es Anbieter gibt, die da deutlich besser geworden sind, als das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

F.G.: Lässt sich auch eine Änderung des Nutzerverhaltens feststellen, beispielsweise durch die steigende Anzahl an Social Media Kanälen, die von Agenturen und Presseabteilungen beliefert werden möchten? Oder werden bestimmte Funktionen Ihrer Software heute häufiger verwendet als in den letzten Jahren?

U.P.: Anders als früher ist es dem Nutzer heute egal, welche Technologie hinter einer Lösung steht. Sie muss einfach sein und möglichst wenig Administration benötigen. Und sie sollte browserfähig sein. Denn ob Content Management für Social Media, Themenrecherche mit TOPIC PRO oder Kontaktmanagement via PressFile: All das darf höchsten einen Tab voneinander entfernt sein. Natürlich fragen Kunden auch immer nach einer Lösung, die alles in einem abdeckt. Doch dies ist meiner Ansicht nach unsinnig. Denn das würde wieder zu einer hohen Komplexität führen und die tägliche Arbeit behindern. Ein weiterer Trend ist in jedem Fall der Wunsch nach ausgesprochenen PR-Lösungen. Denn egal ob Journalist oder Blogger: PR-Kontakte lassen sich einfach nicht in das starre CRM-Korsett von Kunden und Lieferanten zwängen.

F.G: Was können Unternehmen aus Ihrer Sicht als Geschäftsführer einer Agentur besser machen, um Gehör in den Redaktionen zu finden? Was können Unternehmen tun, damit Presseinhalte von Redaktionen verwertet werden?

U.P.: Das ist einfach und war schon immer eine Grundregel von Pressearbeit und Journalismus: Nur wirklich interessante Inhalte kommunizieren, sie spannend und vor allem zielgruppen- und mediengerecht aufbereiten. Für die Fachzeitschrift muss das nun einmal anders aussehen als auf einer Facebook-Seite, auch wenn es um dieselben Inhalte geht. Auf die Story kommt es also an, denn damit kann ich Beziehungen aufbauen und nachhaltig gestalten. Dabei aber bitte auch in den Zeiten der elektronischen Kommunikation nicht vergessen, dass das sozialste Medium immer noch das persönliche Gespräch ist. Und: Erst kommt der Inhalt, dann die Beziehung, nur so entsteht Bindung. Umgekehrt wird kein Schuh draus.

F.G.: In unseren Journalistenumfragen stellen wir immer wieder fest, dass Redaktionen Pressetexte möglichst frühzeitig erhalten möchten und Texte idealerweise exklusiv bzw. individuelle Inhalte zur Verfügung gestellt werden sollen. Wie können Presseabteilungen und PR-Agenturen diesen Wünschen gerecht werden?

U.P.: Nur sehr vorsichtig und vor allem niemals einseitig. Wer immer ein Medium oder einen Redakteur bevorzugt, muss sich nicht wundern, wenn andere irgendwann die Berichterstattung zurückfahren oder einstellen. Allerdings spricht nichts dagegen, eine gute und konstruktive Zusammenarbeit auch einmal zu „belohnen“. Aber bitte immer mit Fingerspitzengefühl und so gut begründet, dass man das gegebenenfalls auch einem der zu kurz Gekommenen offen und glaubwürdig kommunizieren kann. Das alles gilt in erster Linie für News. Fachartikel, Case Studies und Anwenderberichte, Kommentare oder Interviews: All dies muss exklusiv sein und bleiben, nur sollte man auch hier die Angebote gerecht verteilen.

F.G.: Wagen Sie einen Blick in die Glaskugel? Wie wird sich die Zusammenarbeit von Redaktionen und PR-Agenturen in den nächsten Jahren verändern?

U.P.: Die Kanäle, über die wir miteinander kommunizieren werden sich sicher weiter verändern. Das Fax ist verschwunden und der Brief ebenso. Die Kommunikation wird immer mobiler, schneller und direkter. Gut möglich, dass in den nächsten Jahren auch das E-Mail das Schicksal von Briefen und Faxen ereilen wird. Am Ende des Tages geht es jedoch immer darum, dass die Botschaften, die wir kommunizieren wollen, auch diejenigen erreichen, die diese interessant genug finden, um sie weiterzuverbreiten. Und dafür könnte auch in Zukunft manchmal die gemeinsame Tasse Kaffee die bessere Investition sein, als ein elektronisches Informationssperrfeuer.

F.G.: Vielen Dank.

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