Lisa Scheide, Chefredakteurin von SZENE HAMBURG

Lisa Scheide wurde 1970 in Brampton/Kanada geboren und wuchs in Wedel bei Hamburg auf. Während ihres Anglistikstudiums an der Universität Hamburg absolvierte sie 1997 ein Praktikum bei der SZENE HAMBURG. Darüber ergatterte sie einen Nebenjob in der Programmredaktion, deren Leitung sie nach ihrem Magisterabschluss übernahm. Ab 2005 war sie zudem verantwortlich für die Redaktion Sonderobjekte und produzierte die beiden Jahresmagazine SZENE HAMBURG ESSEN + TRINKEN und damals noch SZENE HAMBURG A-Z, heute SZENE HAMBURG KAUFT EIN. 2003 und 2006 legte Lisa Scheide kurze Babypausen ein. Im Frühjahr 2011 übernahm sie zusammen mit Nele Gülck die Chefredaktion von SZENE HAMBURG. Mit der Jubiläumsausgabe (40 Jahre SZENE HAMBURG) November 2013 wurde das Stadtmagazin inhaltlich und visuell komplett überarbeitet.

Fabian Gerstenberg: Liebe Frau Scheide, SZENE HAMBURG ist eines der bekanntesten und ältesten Stadtmagazine Deutschlands. Wie schaffen Sie es, Ihre Leser jeden Monat aufs Neue zu begeistern?

Lisa Scheide: Wir sind fest in der Stadt verankert, viel unterwegs in Hamburg und haben ein Netzwerk an Menschen, die stets ihre Fühler ausstrecken. Das verschafft uns nicht nur Glaubwürdigkeit, wir präsentieren auch Monat für Monat interessante Hintergrundgeschichten zu kulturellen wie gesellschafts- und stadtpolitischen Themen. Außerdem haben wir richtig gute Kultur-Ressorts, die jeden Monat kritisch durch die Fülle der Veranstaltungen navigieren. Mit einem eigenen Kunst-Ressort haben wir in der Stadt sogar ein Alleinstellungsmerkmal.

F.G.: Welche Bedeutung hat die Kommunikation mit Presseabteilungen von Unternehmen und PR-Agenturen im Rahmen Ihrer Arbeit?

L.S.: Sie ist wichtig, weil wir auch darüber Informationen beziehen. Allerdings kann sie auch ein Bremsklotz sein, da wir eigentlich immer unter Zeitdruck stehen. Wir erhalten unglaublich viele Informationen, die wir filtern müssen und oft kennen die Abteilungen und Agenturen unser Profil nicht, bzw. streuen einfach so weit wie möglich. Eine kurze Recherche, ob die Mitteilung überhaupt inhaltlich passen könnte, wäre eine große Hilfe – und viel wichtiger, als wenn jemand weiß wie ich heiße!

F.G.: Inwieweit sind für Ihre redaktionelle Arbeit Inhalte von Stadtmagazinen anderer Regionen hilfreich? Werden aktuelle Themen anderer Städte aufgegriffen oder sind solche Inhalte irrelevant?

L.S.: Es ist immer interessant zu schauen, wie andere Medien Themen aufbereiten. Vor wenigen Monaten haben wir einen Relaunch durchgeführt, im Zuge dessen haben wir uns ganz genau angeschaut, was andere machen und wie, vor allem bei Standards wie Filmkritiken oder Konzertankündigungen. Aber die Themen anderer greifen wir selten auf, in Hamburg passiert so viel… Unabhängig voneinander stellen wir allerdings fest, dass sich andere Stadtmagazine oft mit ähnlichen Themen auseinandersetzten. Aber im Prinzip ist Lokaljournalismus unser Metier.

F.G.: Wo recherchieren Sie, um Inhalte für Ihr Magazin zu finden?

L.S.: Tageszeitungen, Online, Radio … Und wir haben einen engen Draht zu den einschlägigen Kultur-Institutionen der Stadt. Viel ergibt sich, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Durch unsere Netzwerke haben wir ohnehin immer mehr Themen, als wir bringen können.

F.G.: Welche Kommunikationsform mit externen Ansprechpartnern wird von Ihrer Redaktion bevorzugt?

L.S.: E-Mail.

F.G: Und wann finden Ihre Redaktionsrunden statt und wie laufen diese ab?

L.S.: Einmal im Monat, wenn das neue Heft rauskommt. In der Regel gibt es dann eine Heftkritik vom aktuellen Magazin und anschließend bereiten wir uns auf das kommende vor. Welche wichtigen Veranstaltungen stehen an, was ist zuletzt passiert? Das Titelthema steht auch schon. Wir sitzen zusammen und diskutieren, wie wir was genau aufziehen wollen. Es kann hoch hergehen, unsere Redaktionsrunden sind aber auch immer sehr hilfreich.

F.G.: Wie eng ist die Zusammenarbeit zwischen Print und Online? Und wie vernetzt funktioniert die Redaktionsarbeit mit Ihren anderen Magazinen wie hamburg:pur?

L.S.: Wir sind ein sehr kleines Haus mit flacher Hierarchie. Insofern ist die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Redaktionen und Redakteuren sehr eng, auch die mit hamburg:pur. hamburg:pur ist als kostenloser Titel etwas anders aufgestellt als SZENE HAMBURG – etwas jüngere Zielgruppe, breitere Streuung, mehr Mainstream – im Prinzip ergänzen sich unsere beiden Stadtmagazine prima.

F.G.: Was werden Sie auch in Zukunft für Ihre Leser besser machen als andere Stadtmagazine?

L.S.: Die Berichterstattung über Hamburg!

F.G.: Vielen Dank für das Interview.


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