Maria Sandoval, Chefredakteurin von LISA

Maria Sandoval, Jahrgang 1965, ist Chefredakteurin der Frauenzeitschrift LISA. Die ausgebildete Verlagskauffrau war zuvor als Redakteurin für die FREIZEIT REVUE, DAS NEUE und als stv. Chefredakteurin von BILD der FRAU tätig.

Fabian Gerstenberg: Liebe Frau Sandoval, mit Ihrer Zeitschrift LISA erreichen Sie laut aktueller MA 1,4 Millionen Leserinnen pro Woche. Damit sind Sie eine äußerst attraktive Plattform für PR-Agenturen und Presseabteilungen von Unternehmen, die ihre Mode-, Reise- und Wellnessthemen sowie viele weitere Inhalte anderer Themengebiete kommunizieren möchten. Wie schaffen Sie es, aus der Flut an Pressemitteilungen, die für Sie relevanten Inhalte herauszufiltern?

Maria Sandoval: Das ist bei bis zu 300 Mails am Tag für mich kaum zu schaffen. Über die Hälfte davon sind PR-News, und bei sehr vielen frage ich mich, ob der Absender je eine LISA in der Hand hatte bzw. was man denkt, das ich damit anfangen könnte. Ich leite zwar auch ein paar PR-Mails zur Prüfung an die zuständigen Ressorts weiter, aber die meisten lösche ich. Denn ich gehe davon aus, dass eine professionelle PR-Agentur/-Abteilung die direkten Kontakte zu den Ressortleitern hat bzw. in der Lage ist, sie zu recherchieren und hoffentlich weiß, dass ein Chefredakteur nicht hauptamtliche Sammel- und Verteilstelle für PR-Meldungen ist.

F.G.: Was können Unternehmen bzgl. ihrer Pressearbeit darüber hinaus verbessern, um die Chance auf eine Veröffentlichung zu erhöhen und inwieweit sind Social Media Sites als Quelle für Ihre Heftinhalte von Bedeutung?

M.S.: Die Zeitschrift lesen, zumindest hin und wieder; die richtigen Kontakte recherchieren; nicht wahllos PR-Mails an den großen Verteiler verschicken, weil das am einfachsten ist. Sondern Inhalte auf die jeweilige Redaktion gezielt auswählen; nicht zwei Wochen nach einer PR-Mail anrufen und sagen: „Ich habe Ihnen vor zwei Wochen eine Mail geschickt und wollte mal hören, ob Sie was damit anfangen konnten“. Social Media Sites von Unternehmen können zusätzliche Infos und Impulse liefern.

F.G.: Wie wichtig sind Ihnen exklusive bzw. individuelle Inhalte von Unternehmen?

M.S.: Individuelle Inhalte erhöhen die Chance, Anstoß für ein eigenes Thema zu werden. Z.B. kann eine neue Studie, die uns exklusiv zur Veröffentlichung angeboten wird, auslösen, dass wir uns mit diesem Thema breiter befassen. Wissen wir, dass diese Studie jeder Redaktion – auch dem Wettbewerb – zeitgleich zugänglich ist, macht das das Thema deutlich weniger attraktiv.

F.G.: Kann eine frühzeitige Medienkommunikation relevanter Inhalte die Chance auf Verwertung von Inhalten erhöhen?

M.S.: Vermutlich ja, hängt aber maßgeblich von der Relevanz der Inhalte ab.

F.G.: Als Vermarkter der Themen- und Mediendatenbank TOPIC PRO stellen wir fest, dass Redaktionen von Publikumszeitschriften in der Regel bzgl. deren Kommunikation geplanter Redaktionsthemen weniger freizügig als ihre Kollegen von Zeitungen und Fachzeitschriften sind. Warum sind insbesondere bei Frauentiteln die Themenpläne häufig nicht öffentlich zugänglich?

M.S.: Weil sich alle Frauentitel mit den mehr oder weniger selben Themen beschäftigen, wenn auch mit eigenen Gewichtungen. Da entscheidet oft über den Erfolg einer Geschichte, wer sie zuerst bringt. Weiß Heft A, was Heft B in Ausgabe 37 plant, könnte Heft A ähnliche Themen in Heft 36 bringen – äußerst ungünstig für Heft B.

F.G: Wie eng ist die redaktionelle Zusammenarbeit mit den anderen Titeln Ihrer Lisa-Family wie LISA Kochen & Backen und LISA Wohnen & Dekorieren?

M.S.: Wir arbeiten redaktionell vollkommen unabhängig. Aber wenn LISA Kochen & Backen ein neues Heft auf dem Markt hat oder LISA Wohnen & Dekorieren ein tolles Special, trommeln wir sehr gern dafür. Außerdem unterstützen uns die Experten der Line Extensions mit Tipps in LISA.

F.G.: Und noch eine Frage: Wie viel Zeit verbringen Sie in Meetings und Redaktionsrunden?

M.S.: Immer mehr. Täglich bestimmt 2 Stunden, manchmal deutlich mehr.

F.G.: Vielen Dank.


Weitere hilfreiche Informationen für professionelle Medienkommunikation finden Sie in den aktuellen Medienstudien von Mount Barley Publishing.

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