Dinko Fejzuli, Chefredakteur von medianet

Dinko Fejzuli, Jahrgang 1972, ist seit 2004 bei medianet und seit 2009 Chefredakteur des Fachmediums. Nach einem Politik- / Publizistikstudium war er unter anderem als Pressesprecher eines New Economy Unternehmens, Produktverantwortlicher bei einem deutschen Unternehmensberater im Bereich New Public Management und als Nachrichtenredakteur bei Österreichs größtem Privatradiosender tätig.

Fabian Gerstenberg: Lieber Herr Fejzuli, Ihre Fachzeitschrift medianet erscheint vier Mal pro Woche, davon zweimal in Print (Di, Fr) und zweimal als ePaper (Mi, Do). Inwieweit unterscheidet sich Ihre redaktionelle Arbeit von der eines monatlich erscheinenden Fachmediums?

Dinko Fejzuli: Bei vier Ausgaben pro Woche trifft der Spruch, dass nichts älter als die News von gestern sind, sehr gut zu. Sprich, wir sind ein Branchenmedium, welches unsere Leser vor allem mit quasi tagesaktuellen Informationen beliefert. Aus redaktioneller Sicht ist somit der Takt viel höher, als bei einem Monatsmagazin – wir führen genauso Interviews, recherchieren und gehen zu Pressekonferenzen und Presseevents, alles eben nur in zeitlich sehr komprimierter Form.

F.G.: Was passiert in Ihrer Redaktion an einem gewöhnlichen Vormittag? Können Sie bitte kurz den Tagesablauf skizzieren?

D.F.: Vorab gesagt: Das Gerücht – falls es jemals zugetroffen haben sollte –,  Journalisten wären vor Mittag nicht in der Redaktion anzutreffen, ist längst nicht mehr wahr. Ich gehöre zu jenen Kollegen, die eher zeitig in der Redaktion auftauchen, um die Zeit bis etwa 9:30 Uhr zu nutzen, in der das Telefon weniger läutet, um Dinge abzuarbeiten bzw. vorzubereiten. Einen „gewöhnlichen“ Vormittag gibt es in der Regel nicht. An Print-Produktionstagen bin ich aufgrund der nötigen Anwesenheit für die Produktion eher an die Redaktion gefesselt. Texte müssen geschrieben, Bilder müssen organisiert werden und gegen Nachmittag hin bereits die ersten Seiten für den Druck freigegeben werden. Als Beispiel ein Tag, an dem „nur“ ein ePaper produziert wurde: Um 10:00 war die Pressekonferenz eines großen Unternehmens aus der Dialog-Marketing-Branche, danach ging es in die Redaktion, um eben diese Story für die ePaper-Ausgabe am nächsten Tag zu schreiben; Bilder müssen organisiert werden, und die restliche Ausgabe koordiniert und fertiggestellt werden. Um 12:00 hatten wir eine Blattkritik-Sitzung, die knapp zwei Stunden gedauert hat, um danach wieder in die Tagesproduktion zurückzukehren.

F.G.: Wie häufig bekommen Sie Presseinformationen, die für Ihre Arbeit irrelevant sind?

D.F.: Leider viel zu oft. Ohne es abgezählt zu haben: Allein von den gut 200 bis 300 E-Mails täglich, die persönlich an mich adressiert sind, zusätzlich zu den unzähligen Newslettern und den Agenturmeldungen, bleiben im Schnitt 20 E-Mails und 5 bis 10 Agenturmeldungen, die für meine Zeitung wirklich relevant sind. Trotzdem bin ich genötigt, alle E-Mails zumindest einmal kurz (Betreffzeile) zu überfliegen, um festzustellen, ob sie relevant sind oder nicht – ein enormer Zeitaufwand.

F.G.: Was können Kommunikatoren von Unternehmen und PR-Agenturen besser machen, um Sie für ihre Inhalte zu begeistern?

D.F.: Das klingt jetzt banal, aber: 1. Ihre Presseverteiler besser warten. Obwohl ich mich mit dem Thema Marketing/Medien/Werbung beschäftige, erreichen mich Aussendungen zu Themen von „Wiener Stadthonig immer beliebter“ bis  „ReiseSalon 2014 – Traumreisen & Schimpansen“; 2. PR-Agenturen sollten den persönlichen Kontakt zu Journalisten mehr pflegen, statt nur Aussendungen auszuschicken. Dies halte ich generell für einen der Schlüssel für erfolgreiche PR-Arbeit; 3. Statt einer Massenaussendung für alle, sollte man sich individuelle Zugänge für die einzelnen Fachmedien überlegen.

Eines noch, auch wenn es wieder banal klingt: Allzu viele, die „PR“ machen, beherrschen ihr eigenes Handwerk nicht. Von fehlenden oder nicht druckfähigen Bildern, nicht vorhandenen Bild-Credits bis hin zu Aussendungen mit mehreren Seiten lässt die inhaltliche Qualität des Materials oft mehr als zu wünschen übrig, und es kostet uns zusätzlich Zeit, Dinge, die in einer Presseaussendung selbstverständlich sein sollten, nachzurecherchieren. Und: Eine Presseaussendung sollte eine sachliche Information sein; oft klingt der Inhalt aber eher nach einer nordkoreanischen Jubelmeldung. Das hierfür oftmals nicht die Agentur, sondern der drängende Kunde die Verantwortung trägt, ist mir aber selbstverständlich auch bewußt.

F.G.: Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Presseabteilungen bzw. PR-Agenturen Ihre geplanten Redaktionsthemen bzw. Ihren Themenplan kennen und berücksichtigen?

D.F.: Mehr als wichtig; dies würde ihnen sicherlich vor allem bei der Themen-Planung helfen. Wir haben nichts gegen interessante Inhalte; sie sollten uns nur zeitgerecht erreichen.

F.G: Sind Social Media-Plattformen relevante Quellen für Ihren redaktionellen Alltag?

D.F.: Eingeschränkt; ich persönlich nutze vor allem Twitter: aktiv für die Verbreitung unserer eigenen Inhalte und passiv, um neue Themen und Branchenkontakte zu finden.

F.G.: Wann sind Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen für Kommunikatoren aus Unternehmen am besten zu erreichen?

D.F.: Ich kann nur für mich sprechen: Vormittags; denn ab 15:00 wird es ungemütlich und ab 17:00 unfreundlich. Und um das vorhin Gesagte im Bezug auf den persönlichen Kontakt zu bestätigen: Jemanden, den ich kenne, werde ich bei einem Anruf auch nach 15:00 vermutlich mit mehr Wohlwollen entgegentreten, als jemand, der mich um diese Uhrzeit mit dem Klassiker quält: „Ich habe Ihnen vergangene Woche eine Pressemeldung gemailt; haben Sie diese bekommen?“

F.G.: Mit Ihrer hohen Erscheinungsfrequenz können Sie näher am tagesaktuellen Wirtschaftsgeschehen sein als monatlich erscheinende Fachmedien. Müssen andere Printmedien zukünftig auch die Anzahl ihrer Ausgaben erhöhen, um dem allgemeinen Lesertrend schneller und kurzfristiger Informationsaufnahme gerecht zu werden?

D.F.: Das tun sie bereits, via deren Online-Auftritt; dass andere Printmedien die Anzahl ihrer Ausgabe erhöhen werden, bezweifle ich (siehe Stichwort Medienkrise). Seit 2009 fahren die Verlage die Auflagezahlen eher deutlich zurück.

F.G.: Vielen Erfolg weiterhin und vielen Dank für das Gespräch.

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