Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin von Eltern

Marie-Luise Lewicki ist Chefredakteurin der ELTERN-Gruppe, zu der neben den Zeitschriften ELTERN und ELTERN family der Online-Auftritt Eltern.de und eine Reihe von Sonderpublikationen gehören. Nach einem Volontariat bei der Fuldaer Zeitung arbeitete sie als Rathausreporterin bei der Boulevardzeitung Abendpost / Nachtausgabe und anschließend als freie Journalistin für Illustrierten und Frauenzeitschriften.

Fabian Gerstenberg: Liebe Frau Lewicki, die Leserschaft Ihrer Zeitschrift Eltern sind junge Eltern. Wissen das auch die Unternehmen und PR-Agenturen, die Sie täglich in Form von Pressemitteilungen mit Informationen versorgen? Wie gut kennen Kommunikatoren, die erstmals Kontakt zu Ihrer Redaktion aufnehmen, Ihren Medientitel und wie gut sind die Pressetexte auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet?

Marie-Luise Lewicki: Das ist höchst unterschiedlich. Es gibt viele Firmen und Agenturen, denen das Heft sehr vertraut ist und die auch unsere policy in Sachen PR kennen. Gleichzeitig staune ich aber immer wieder, wie viel für uns nicht Relevantes bei uns ankommt. Da schicken Unternehmen PR-Meldungen über Computerspiele für Zwölfjährige an ELTERN, das sich an ELTERN mit Kinder von 0 bis maximal fünf wendet, oder wir bekommen fertig geschriebene „Artikel“, die wir abdrucken sollen.

F.G.: Welche Fehler sollten Agenturen in der Kommunikation mit Ihrer Redaktion vermeiden?

M-L.L.: PR-Material sollte das sein, was seine Rolle ist: auf Neuheiten von Unternehmen aufmerksam machen. Das hilft uns bei unserer Arbeit. Vorformulierte „Artikel“ oder Pseudo-Interviews mit firmeninternen Experten dagegen verstehen wir nicht als Information, sondern eher als Beleidigung. Wir sind ein Qualitätsmedium und drucken kein PR-Material ab.

F.G.: In Ihrer Augustausgabe werden Sie über die schönsten Jugendherbergen für Familien berichten. Kann sich die Chance auf Veröffentlichung von Inhalten erhöhen, wenn Unternehmen und Agenturen frühzeitig relevante Informationen zur Verfügung stellen?

M-L.L.: Bei Themen wie Reise hilft das sicher.

F.G.: Wann planen Sie die zukünftigen Themen für die einzelnen Ausgaben und wie häufig ändern sich die geplanten Themen im Laufe eines Jahres?

M-L.L.: Wir planen nur wenige Themen lange im voraus. In der Regel entsteht die Themenliste für knapp drei Monate vor EVT.

F.G.: Sie haben eine Print- und eine Online-Redaktion. Wie eng und in welcher Form arbeiten beide Redaktionen zusammen?

M-L.L.: Beide  Redaktionen sind de facto eine einzige. Wir haben gemeinsame Konferenzen, wir arbeiten auf vielen Themen, die in print und online parallel erscheinen, zusammen.

F.G: Wie wichtig sind facebook, Twitter, Youtube usw. als Quelle für Ihre tägliche Arbeit?

M-L.L.: Sehr wichtig. Wir haben bislang etwa 62 000 facebook-Freunde, die uns wertvolle Hinweise auf spannende Themen geben. Aber natürlich sehen wir uns auch anderswo um.

F.G.: Online werden den Lesern Inhalte häufig verkürzt angeboten – verglichen mit Inhalten in Printmedien. Insbesondere junge Leser möchten in immer kürzerer Zeit mehr Inhalte konsumieren. Auch junge Eltern haben aufgrund ihrer neuen Aufgaben häufig wenig Zeit für umfangreiche Texte. Werden ausführliche Hintergrundinformationen auch in Print bald der Vergangenheit angehören?

M-L.L.: Nein, das glaube ich nicht. Natürlich verändert die zunehmende Nutzung von digitalen Medien auch das Leseverhalten. Doch die ausführliche Lesegeschichte, die mich berührt, inspiriert, mir hilft, in einer komplexen Welt etwas einzuordnen, die wird es weiter geben.

F.G.: Wie wird sich das Leseverhalten Ihrer Zielgruppe in den nächsten Jahren verändern – auch unter Berücksichtigung zunehmenden Konsums via Tablets?

M-L.L.: Es wird sich weiter nach Nutzungssituationen ausdifferenzieren – und wir müssen dem folgen. Also überlegen, in welcher Situation junge Eltern welche Bedürfnisse haben, und sie dann auf dem entsprechenden Medium befriedigen. Das ist eine sehr spannende Herausforderung, die uns viel Spaß macht.

F.G.: Vielen Dank.

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